Neuengrün: Am vergangenen Samstag ging die Friedensstandarte bei der 59. Friedenswallfahrt von der Veteranen- und Soldatenkameradschaft Neufang an die Pfarrgemeinde Steinwiesen über. Wie der Neufanger Vorsitzende Udo Bätz bei der Übergabe sagte, habe man in den vergangenen zwölf Monaten in Neufang ein sichtbares Friedenszeichen gesetzt. In den monatlichen Betstunden, die vor allem von der jüngeren Generation gut besucht wurden, habe man der vielen Kriesenherde in der ganzen Welt gedacht.
– von Michael Wunder –
Nach dem Treffen am Ortseingang des schmucken Runddorfes machten sich die Teilnehmer, angeführt von den Ministranten, Stadtpfarrer Heinrich Chelkowski und Dekanatsratsvorsitzenden Heinz Hausmann unter den Klängen des Musikvereins Neuengrün auf den Weg in die Wallfahrtskirche. Nach der Begrüßung durch Pater Heinrich ging dieser auf den Ursprung dieses Friedenbekenntnisses ein. Dieses sinnvolle und bedeutende Fest habe in Neuengrün eine lange Geschichte, so der Geistliche.
Der Sinn der Friedenswallfahrt ist immer aktuell, nicht nur in Zeiten von großer Not und Armut. Gerade jetzt im dritten Jahrtausend, wo es große Unruhen in der gesamten Welt gibt, sind die Christen aufgerufen für den Frieden zu beten. "Maria ist die Königin des Friedens", deshalb kommen auch viele Gläubige zur Gnadenstelle nach Neuengrün, sagte der Pfarrer. Die traditionell jedes Jahr wechselnde Standarte wurde unter der Teilnahme des Steinwiesener Bürgermeisters Gerhard Wunder und einigen Pfarrgemeinderäten in Empfang genommen. In den drei folgenden Betstunden, welche sich der Übergabe anschlossen, wurde um Frieden, Freiheit, Schutz und Gottes Segen gebetet. Anschließend formierten sich Ministranten, Soldaten- und Kriegervereine, Fahnenabordnungen, die Friedensstandarte, sowie Frauen, Männer und Kinder mit Kerzen vor dem Gotteshaus. Die herrlich geschmückte Gnadenmadonna von Neuengrün mündlicher Überlieferung zufolge unmittelbar in der Zeit der Reformation von einem unbekannten Meister geschaffen, wurde bei der Leichterprozession mitgetragen. Die Lichterprozession führte die etwa 500 Teilnehmer zum Friedenskreuz auf eine Anhöhe, wo der langjährige Pfarrer aus Bad Steben, Monsignore Herbert Hautmann einen Wortgottesdienst und die Predigt hielt. Er sagte, dass es nicht selbstverständlich ist, auch 59 Jahre nach Kriegsende, wo viele der Betroffenen nicht mehr am Leben sind, in einer derartigen Form zu gedenken. Die Neuengrüner halten diese Friedenswallfahrt aufrecht und sind noch heute dankbar, dass die Kriege der Vergangenheit angehören. Auch wenn es derzeit keinen Krieg gibt, so sei der Frieden stark gefährdet, was die jüngste Geiselnahme in einer Schule in Südrußland beweist. Auch bei uns gibt es immer wieder Streit unter den Menschen, wenn sich die armseligen Geschöpfe gegenseitig nicht vertragen. Der Frieden beginnt im Kleinen, alle sind aufgerufen, in der Familie, der Verwandtschaft, Nachbarschaft und am Arbeitsplatz mit einem kleinen Beitrag zur Verbesserung der Lage beizutragen, so Hautmann. Er selbst habe als zehnjähriger Junge die Kriegszeiten mitgemacht, er erzählte einige Gegebenheiten, welche ihm im Gedächtnis haften blieben. Er könne sich noch genau erinnern, als er beim Appell der Hitlerjugend als "katholischer Knierutscher" bezeichnet wurde und tagelang im Luftschutzkeller gebetet hat. In guter Erinnerung seien ihm auch noch die in seiner Heimat vorbeifahrenden Züge mit den verwundeten und verletzten Soldaten. Es sei ein wesentlicher Unterschied, so Hautmann, ob man die Bilder im Fernsehen sieht oder selbst miterlebt. Der Zusammenhalt unter den Menschen müsse besser werden, damit es nie wieder kriegerische Auseinandersetzungen gibt. Die Opfer und Angehörigen in Rußland wurden auch in die Fürbitten eingeschlossen. Nach dem Rückmarsch auf dem mit Fahnen geschmückten Weg zum Dorfplatz wurde die Eucharistiefeier begangen.
Neben Hauptmann wirkten Pater Heinrich und Pater Stanislaw, Regionaldekan Günter Hübner und Kaplan Detlef Pötzl mit. Im Anschluss dankte Dekanatsratsvorsitzender Heinz Hausmann den Mitwirkten und den Gläubigen für deren Teilnahme. Im nächsten Jahr findet die Friedenswallfahrt zum 60. Mal statt und man werde versuchen hierfür den Bamberger Bischof Schick zu gewinnen. Der Erlös der beiden Kollekten wurde für die bereits durchgeführte Orgelsanierung im Neungrüner Gotteshaus verwendet. mw
Die Friedensstandarte wurde in diesem Jahr von der Veteranen- und Soldatenkameradschaft Neufang an die Pfarrgemeinde Steinwiesen übergeben. Mit im Bild Dekanatsratvorsitzender Heinz Hausmann (3 v.l.) und Bürgermeister Gerhard Wunder (3 v.r.).Foto: Michael Wunder
Mitten im historischen Hufdorf Neuengrün fand nach über vierstündiger Feier als Abschluss die Eucharistiefeier statt. Foto: Michael Wunder