Nordhalben/Heinersberg: Die evangelische-lutherische Kirchengemeinde Heinersberg-Nordhalben-Steinwiesen kann am Wochenende ein großes Jubiläum feiern. Die weitaus bekannte rote Jubilate Kirche im Grund wurde vor 100 Jahren eingeweiht. Das diesjährige Kirchweihfest soll deshalb was ganz Besonderes werden, zumal auch der Posaunenchor auf sein 90-jähriges Bestehen zurückblicken kann. Die Verantwortlichen um Pfarrerin Stefani Brudereck, der Kirchenvorstand, sowie die Feuerwehr Nordhalben haben die Vorbereitungen des dreitägigen Festes bestens geplant. Das Festprogramm beginnt am Freitag um 19 Uhr mit einer musikalischen Andacht zum 90- jährigen Bestehen des Posaunenchors. Der Jubiläumschor spielt selbst unter der Leitung von Michael Franz, während Dekanatskantorin Michaela Kerz an der Orgel wirkt. Nach der Andacht lädt man zu einem Sektempfang ein. Der erste Teil des Kirchweihfestes findet am Samstag ab 17 Uhr mit dem Anblasen des Posaunenchors an der „Alten Schule“ statt, anschließend ist ein gemütliches Beisammensein angesagt. Höhepunkt des Jubiläums ist dann der Festgottesdienst am Sonntag um 9.30 Uhr im Grund mit mehreren Geistlichen. Ab 14 Uhr gibt es Kaffee und Kuchen sowie ein besonderes Kinderprogramm in der „Alten Schule“ in Heinersberg. Eine historische Bilderausstellung, sowie eine „Geschichtsstunde“, mit Vortrag und Erzählungen von „Zeitzeugen“ werden an diesem Nachmittag unsere Blicke in die Vergangenheit der Kirche führen.
Wie der Geschichte zu entnehmen ist waren bei der Weihe vor 100 Jahren sehr viele Gläubige dabei, so dass man mit dem Gottesdienst ins „Freie“ ausweichen musste. Die Leute hatten zu dieser Zeit noch richtig „Hunger“ nach geistlicher Nahrung. Mehr als 25 Pfarrer und Vikare haben während dieser Zeit im Grund gewirkt, was durchschnittlich rund vier Jahre pro Pfarrer bedeutete. Im gleichen Zeitraum wurden aber nur drei Mesner benötigt.
Aus der Geschichte der evangelischen Kirche:
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts lebten in Heinersberg, Grund und Nordhaalben nur etwa 50 evangelische Christen. Rund zwei Stunden Fußweg mussten sie zum Gottesdienst nach Geroldsgrün auf sich nehme. Deshalb wurde bereits 1908 der Betsaalverein Nordhalben- Grund- Heinersberg gegründet. Über die Ziele des Vereins hieß es in seiner ersten Sitzung: „Für die religiösen Bedürfnisse der Protestanten im Grund, Nordhalben und Heinersberg Sorge zu tragen in der Weise, dass er die Erbauung eines Betsaals oder einer Kirche und die Errichtung eines exponierten protestantischen Vikanats anstrebt.“ Letzteres Ziel konnte zuerst verwirklicht werden. Bereits 1920 zog als erster Geistlicher der Vikar Paul Knappe auf. Interessant auch die Mitgliederentwicklung des Vereins, der sich vom Gründungsjahr bis zum Jahr 1924 verdoppelte und 70 Mitglieder zählte. Auch fand 1924 erstmals die Wahl des Kirchenvorstandes statt. Wie aus den Archivunterlagen hervorgeht, war das Vermögen starken Schwankungen unterworfen. Bei der Inflation im Jahre 1923 ging den Christen ein Guthaben von 31.000 Mark verloren. 1925 fasste, die ein Jahr vorher gegründete Tochter-Kirchengemeinde und der Betsaalverein den Beschluss eine Kirche im Grund zu errichten. Vorausgegangen war die Schenkung des Grundstücks, so fand man im Grund einen guten Kompromiss zwischen Heinersberg und Nordhalben. Der Bau erforderte von der Gemeinde mit ihren 320 Seelen große Opfer, so erklärten sich die erwachsenen Gemeindemitglieder bereit sechs Tage umsonst zu arbeiten und drei Tage freiwillige Spanndienste zu leisten. Der Kirchenbau ging im Winter 1925/26 bis zum April zügig vonstatten. Bereits am Sonntag zu Jubilate konnte das für seinerzeit 35.000 Mark errichtete Gotteshaus eingeweiht werden. Die Stundenlöhne für die Handwerker lagen zu der Zeit bei rund einer Mark. Eine Vollzugsmeldung schrieb der Oberkirchenrat Priester an den Landeskirchenrat in München, sie hatte folgenden Wortlaut: „Die Lage des nach den Plänen des Regierungsbaurates Koeppel in Bayreuth erbauten Kirchleins ist einzigartig und schön. Es liegt im sogenannten Grund unterhalb Nordhalben am Abhang des Bergwaldes und hat für die Gemeindemitglieder aus Nordhalben-Grund und Heinersberg eine sehr günstige Lage.“ Die Feier verlief ohne jeden Zwischenfall, auch der katholische Pfarrer von Nordhalben beteiligte sich an ihr. Bereits 1929 wurde der Friedhof, der 1950 erweitert wurde und eine Leichenhalle erhielt, direkt neben der Kirche gebaut. 1976 konnte man auf das 50-jährige Bestehen der Kirche im Rodachtal zurückblicken. 1959 wurde die Orgel installiert und vier Jahre später baute man gegenüber der Kirche das Pfarrhaus. 1969 wurde man zur Evangelisch- Lutherischen Kirchengemeinde Heinersberg- Nordhalben mit den Orten Birnbaum, Heinersberg, Neuengrün, Neufang, Nordhalben, Nurn, Schlegelshaid, Steinwiesen, Tschirn und Wolfersgrün ernannt. Neben verschiedenen Umbauarbeiten, unter anderen wurde die Sakristei umgebaut und Sanitäranlagen installiert, fand vor dreißig Jahren eine größere Renovierung der Kirche statt. Auch wurde das Markenzeichen, der rote Außenanstrich, erneuert. Zum 75- jährigen Jubiläum wurde ein aufwendiges Modell des Gotteshauses im Maßstab 1:15 errichtet.

Das kleine rote Kirchlein im Grund ist das Wahrzeichen zwischen Heinersberg und Nordhalben. Foto: Michael Wunder