Nordhalben: Bei hochsommerlichen Temperaturen haben sich am Pfingstwochenende rund 60 Gläubige auf dem Wege gemacht und pilgerten traditionell von Nordhalben nach Marienweiher. Bereits früh um 2 Uhr starteten die Pilger mit Gebet und Pilgersegen von der Marienkapelle aus auf die 42 Kilometer lange Wegstrecke. Die Wallfahrt (siehe Info-Box) ist seit mehr als 150 Jahren ein fester Bestandteil des religiösen Lebens in Nordhalben. Trotz sengender Sonne, schmerzender Füße und teilweise Blasen blieb die Stimmung während der gesamten Wallfahrt von Gemeinschaft, Gesang und gegenseitiger Unterstützung geprägt. Besonders am Sonntagnachmittag brachte die Hitze viele an ihre körperlichen Grenzen. Dennoch hielten nahezu alle Teilnehmer bis zum Ziel durch. Singend und betend zog die Gruppe schließlich unter dem Läuten der Kirchenglocken in Marienweiher ein. Beim Festgottesdienst am Montag vor dem Auswallen wies der Pater auf die Botschaft des Pfingstfestes hin. Der Heilige Geist brachte Bewegung in das Leben der Jünger, aus Angst wurde Mut, aus Unsicherheit wurde Hoffnung. Wallfahrten, wie es die Nordhalbener seit vielen Jahrzehnten an Pfingsten tun, bedeutet nicht stehen bleiben, sondern Gott entgegen gehen. Maria die Mutter der Kirche solle alle Wallfahrer weiter begleiten. Im Anschluss des Gottesdienstes dankte er fünf langjährigen Wallfahrer, darunter zwei Musiker und der ehemalige Wallfahrtsführer. Unter Applaus der Gottesdienstbesucher wurde Bernhard Wunder für 60- maliges Wallfahrten ausgezeichnet. Bereits zum 50 Mal ist Michael Wolf mit seinem Musikinstrument dabei. Seit 20 Jahren gehört Heiko Dietrich mit seiner „schweren“ Tuba zum festen Bestandteil der Wallfahrt. Weiterhin wurden Frank Zillich für 45-malige Teilnahme und Sonja Maier für zehnmal Wallfahrten mit Urkunden ausgezeichnet. Solche Ehrungen haben bei vielen Wallfahrten eine lange Tradition und gelten als Zeichen besonderer Verbundenheit mit dem Glauben von der Gemeinschaft.           

Alljährlich nehmen die Wallfahrer unter der Leitung von Alfred Lunk und Daniel Köstner die Strapazen auf sich und pilgern zur Basilika nach Marienweiher. Über Schwarzenstein, wo der erste Wallfahrergottesdienst stattfand, und Enchenreuth kam man am Nachmittag bei herrlichem Sommerwetter an. Am Montag machte man sich dann nach dem Wallfahrergottesdienst und dem Frühstück auf dem Heimweg. Auf der gleichen Strecke fanden auf dem Heimweg noch eine Andacht und eine Rast in Schwarzenbach statt. Am Abend trafen die Wallfahrer dann erschöpft von der Hitze wieder in Nordhalben ein, wo sie Pfarrer Richard F. Reis in der Marienkapelle empfangen hat und zur katholischen Kirche begleitete. Viele Teilnehmer kündigen bereits an, auch im kommenden Jahr wieder mitgehen zu wollen – unabhängig vom Wetter und Strapazen.

Geschichte der Wallfahrt:

Die Nordhalbener Wallfahrt an Pfingsten hat eine lange Tradition. Dabei handelt es sich um eine Gelöbniswallfahrt, die auf das Jahr 1856 zurückzuführen ist. Nach dem großen „Brand von Nordhalben“, wobei ein großer Teil des Ortes vernichtet wurde, gelobten die Bürger, als Dank für die große Hilfe um den Wiederaufbau des Ortes, alljährlich eine Wallfahrt zu begehen. Diese führte zunächst nach Maria Kulm in der heutigen Tschechei, nach dem Ausbruch des ersten Weltkriegs wurde Marienweiher als Wallfahrtsort auserkoren.

Der Pater zeichnete mit Wallfahrtsführer Alfred Lunk (links) die Wallfahrer Heiko Dietrich (20-mal), Michael Wolf (50-mal), sowie Bernhard Wunder (60-mal) und Frank Zillich (45-mal) mit Urkunden und einem Geschenk aus. Foto: Michael Wunder