Nordhalben: "Wer in die Kinder und Familien investiert, tut dies für die Zukunft". Dies stellte die Staatsministerin a.D. Barbara Stamm MdL bei einem Gespräch mit jungen Müttern aus der Gemeinde Nordhalben fest. Sie sagte ferner, dass man gerade hier nicht alles in Euro und Cent umrechnen könne, sondern vielmehr auf eine gute Bildung und Ausbildung sowie auf einen guten Freizeitwert setze. Die Diskussionsrunde, an der viele junge Frauen teilnahmen, brachte zunächst der örtliche Apotheker Alois Dittrich in Gang. Er bemängelte, dass Familien mit Kindern in diesem Land stark benachteiligt werden. Dies würde sich mit Einbußen bei den Erziehungszeiten aber auch bei der späteren Rente bemerkbar machen. Gerade diese Kinder sind es aber, welche die Leistungen der Eltern und auch der Singles später erwirtschaften, mahnte er an den Generationenvertrag. Um finanziell "mithalten" zu können, sind viele darauf angewiesen schon bald wieder der Arbeit nachzugehen. Die Kindererziehung bleibe teilweise auf der Strecke und eine Fehlentwicklung von vielen Kindern- und Jugendlichen ist gerade in den Großstädten vorprogrammiert. Er erinnerte an die hohe Zahl von 80 % der Sozialhilfeempfänger, welche Eltern von Kindern sind. Alois Dittrich forderte von der Politik deshalb ein Erziehungsgehalt für Eltern, womit auch Einsparungen bei manchen Subventionen möglich wären. Als weitere Botschaft gab Dittrich der Abgeordneten, welche von ihren Kollegen Heinz Hausmann und Christian Meißner begleitet wurde, die Stärkung der kleinen und mittelständischen Unternehmen mit nach München. Gerade dort würden familienfreundliche Teilzeitarbeitsplätze und Ausbildungsplätze geschaffen. Barbara Stamm meinte, die CSU halte nach wie an der Idee des Familiengeldes fest. Auch leiste man mit dem Erziehungsgeld im 3. Lebensjahr des Kindes eine Leistung, welche kein anderes Bundesland in dieser Weise aufweist. Die Lehrerin Silke Wachter macht auf weitere Probleme in der künftigen Hauptschule Nordhalben aufmerksam. Nachdem man ab dem kommenden Schuljahr erstmals nur die Klassen 1 bis 4 in Nordhalben unterrichtet, stünden auch keine Schülerlotsen mehr zur Verfügung. Auch die Kinderbetreuung einer verlässlichen Halbtagsschule könne nicht gewährleistet werden. Könne die Situation vor Schulbeginn noch überbrückt werden, so stelle die Betreuung bis 13 Uhr gewisse Probleme dar. Die ehemalige Ministerin macht hier auf die grundsätzliche Möglichkeit von altersgemischten Gruppen in Kindergärten aufmerksam. Es müsste somit vor Ort geklärt werden, ob dies in irgend einer Form möglich sei. Brigitte Köstner erkundigte sich nach dem Stand des neuen Kindergartengesetztes. Wie Barbara Stamm ausführte, gehe es hier vorwiegend um die Bezuschussung des Trägers durch Staat und Kommunen. Sie forderte eine gerechtere Verteilung der Mittel unter den Kindergärten. Es könne nicht angehen, dass Kindergärten mit flexiblen Öffnungszeiten und einer großen Bandbreite an Leistungen mit einem Kindergarten der "vergangenen Zeit" gleichgestellt werden. Ein Kindergarten ist ein "Dienstleistungsbetrieb" mit festen Kernzeiten und sollte bei überdurchschnittlichen Leistungen auch besser gestellt werden. Wie dies geschehen kann sollen derzeitige Modellmaßnahmen in Bayreuth und Landsberg am Lech erweisen. Die Abgeordnete macht auch deutlich, dass dadurch die kleinen eingruppigen Kindergärten nicht zu den Verlierern werden sollen. Christian Meißner ergänzte, man sollte den Modellversuch abwarten und im nächsten Jahr die Sache nochmals diskutieren. Er bat auch seine Unterstützung für den Kindergarten Nordhalben an. Der Anfrage, ob die Kinder generell schon früher, etwa mit fünf Jahren eingeschult werden sollten, erteilte Barbara Stamm eine klare Absage. Sie sprach sich aber in Einzelfällen für eine Erleichterung aus, denn gerade in Altersgrenzfällen sollte man offener sein. Um gegenüber anderen Länder wettbewerbsfähiger zu werden, müsse die Schul- und Ausbildungszeit hingegen verkürzt werden. Christian Meißner sagte, es sind nicht nur einige Jahre welche der Volkswirtschaft verloren gehen, sondern es fehlten auch währen dieser Zeit die Einzahlungen ins Sozialsystem. Der "Rohstoff" Geist müsse wieder gestärkt und somit die Abwanderung der "Elite" gestoppt werden, so die beiden Abgeordneten. Vor der Diskussionsrunde machte Bürgermeister Josef Daum auf die schwierige Zeiten der Marktgemeinde, welche im nächsten Jahr ihr 850 jähriges Bestehen feiert, aufmerksam. Neben der Schule, welche in diesem Jahr erstmals aufgrund der rückgängigen Schülerzahlen auf die Grundschule beschränkt wird, verschärfe sich mit der endgültigen Schließung der Firma ama auch die Arbeitsplatzsituation. Es besteht ein dringender Handlungsbedarf, was die Haushalte der Kommunen betrifft, sagte er an die Adresse der drei Abgeordneten. Der Gemeinde ist binnen kürzester Zeit die Hälfte der Einnahmen weggebrochen, was sich in Zahlen mit rund einer Million Euro belegen lässt und nicht aufzufangen ist. Heinz Hausmann sagte, dass man mit der Errichtung der Aussiedlerhäuser nicht den gewünschten Erfolg für die Schule verbuchen konnte. Die Kinder wurden während der Veranstaltung in der Obhut von Kindergärtnerin Stefanie Pohl und Pfleger Sven Schulze gegeben.
Der Diskussionrunde war ein Besuch der Abgeordneten in der Klöppelschule vorausgegangen. Wie die Kreisvorsitzende der Frauenunion Mathilde Hutzel sagte, wolle man anlässlich des 100 jährigen Bestehens der Schule einen Besuch abstatten. Gleichzeitig bestand noch die Möglichkeit neben der Internationalen Spitzensammlung die derzeit laufende Sonderausstellung zu besuchen. Die Leiterin der Schule Beate Agten gab dazu fachmännische Auskünfte und einige Frauen führten das Klöppeln vor. Als Gastgeschenk erhielt die ehemalige Ministerin von der FU Kreisvorsitzenden Mathilde Hutzel ein von der Klöppelschule kreiertes Bild und vom Klöppelschulförderverein eine Sammeltasse. Mathilde Hutzel dankte besonders der Leiterin der Schule für die Führung, der FU Ortsvorsitzenden Elisabeth Wunder und Martin Simon für de Vorbereitung der Veranstaltungen. Bürgermeister Josef Daum überreichte der ehemaligen Ministerin ein Exemplar des neuen Films über die Klöppelschule, welcher die wichtigsten Ereignisse seit der Entstehung wiedergibt. (mw)

Beeindruckt zeigte sich die ehemalige Ministerin Barbara Stamm (2 v.l.) von den neuen Stücken in der Internationalen Spitzensammlung und von der Sonderausstellung. Die Leiterin der Klöppelschule Beate Agten (links) gab Erläuterungen zu den einzelnen Stücken. Mit im Bild (v.l.) MdL Heinz Hausmann, MdL Christian Meißner, Bürgermeister Josef Daum, FU Ortsvorsitzende Elisabeth Wunder, stellv. Kreistagsfaktionsvorsitzende Marietta Rösler, Kreisbäuerin Veronika Kestel, FU Kreisvorsitzende Mathilde Hutzel, Ehrenkreisvorsitzende Gerda Jörg und Schatzmeisterin Martina Simon. Foto: Michael Wunder

Die Abgeordnete des Bayerischen Landtags Barbara Stamm schaute den Klöpplerinnen bei ihrer Arbeit über die Schultern, wobei verschiedene Muster auf den Klöppelkissen aufgespannt waren. Mit im Bild Bürgermeister Josef Daum (Bildmitte) und die Leiterin der Klöppelschule Beate Agten (rechts). Foto: Michael Wunder