Nordhalben: Ein Adventskonzert der anderen Art bekamen die Zuhörer beim Konzert mit dem Heeresmusikkorps Tabor (Tschechien) in der Nordhalbener Nordwaldhalle zu hören. Der Kontakt zu der Tschechischen Militärkapelle ist nicht zufällig entstanden, sondern auf langjährige Verbindungen des Nordhalbener Musikers Michael Wolf zurückzuführen. Er, der vor zwei Jahren zum Gemeindejubiläum die Geschichte Nordhalbens in ein Musikstück umsetzte, hat diese nunmehr mit dem Spitzen- Orchester in Tabor auf CD aufgenommen. Im Rahmen des Konzertes stellte das Heeresmusikkorps unter der Leitung von Michael Wolf die in drei Sätze aufgeteilte Geschichte vor. Am Anfang stand zunächst noch der unbesiedelte Nordwald, wo aus einem dumpfen, im Bass geführtem Motiv allmählich eine Melodie entstand, die das Wiegen der Bäume im Wind symbolisierte. Einzelne Tierstimmen sind zu vernehmen, Reitermotive erklingen aus den Trompeten, Trommeln künden die ersten Siedler an. Unmittelbar nach dem Eintreffen beginnen die Siedler mit Rodung und Aufbau. Schlagzeug und Posaunen vertonen das Holzhacken und Sägen. Schon bald erklingt der Hammer in der Schmiede, im Wald wird gejagt. Das Jagdmotiv findet sich hier in Trompeten und Posaunen. Zur "Waldmelodie" gesellt sich ein Motiv in Moll, das die ärmlichen Lebensverhältnisse im Ort symbolisieren soll. Schließlich ist auch die Burg fertig gestellt und es erklingt zum ersten Mal die Nordhalbener Burgfanfare, angelehnt an die ersten Takte des Nordhalbener Heimatliedes. Weiter geht es musikalisch mit dem Konflikt zwischen Bamberg und Gera, der Zerstörung der Burg sowie das über Jahre dauernde Condominat zwischen Bamberg und Gera. Im zweiten Satz standen Kriege und Katastrophen im Vordergrund der Handlungen. Auch der Kirchenbau (1707-1715), das kurze Gastspiel von Napoleon (1806) und der große Brand von 1856 wurden musikalisch dargestellt. "Vom Kaiserreich bis ins 21. Jahrhundert" war der letzte Satz überschrieben, welcher vom Frankreichfeldzug (1870/71) bis zur Errichtung der Nordwaldhalle im Jahre 1995 reichte. Dazwischen auch die Teilung Deutschlands, die Grenzöffnung mit der Wiedervereinigung sowie die Gebietsreform und der Bau von Schwimmbad und Ködeltalsperre. Nach einer Pause in der bewirteten Nordwaldhalle stand im zweiten Teil das eindrucksvolle Konzert der Musiker aus Tschechien unter der Leitung der beiden Dirigenten Robert Rissky und Roman Kostinec im Mittelpunkt. Mit dem Jubiläumsmarsch von Antonin Dvorak gelang dem Militärorchester eine eindrucksvolle Einführung in ihr eigenes Repertoire. Die Solistin Ivana Törökova stellte sich mit einer Arie aus der "Gräfin Mariza" und der Ballettmusik aus der Oper Faust von Charles Gounod vor. Ein Trinklied von Gerhard Winkler hat sich der zweite Solist Karel Mauci auf die Fahnen geschrieben. In "Heleno, Heleno" von Oskar Nedbal vereinten sich die beiden Solisten zu einem eindrucksvollen Duett, dem noch die "Eselsserenade" von Rudolf Friml folgte. Nachdem sich die beiden Solisten mit noch jeweils einem Song verabschiedeten tat dies auch das gesamte Orchester mit einem Potpourri aus dem Musical "Porgy and Bess". Nach einer Zugabe dankte Bürgermeister Josef Daum allen Mitwirkenden, insbesondere Michael Wolf, für ein wie er sagte außergewöhnliches Konzert. Er überreichte an die Helfer, darunter auch Peter Müller als Übersetzer und Sandra Hellgoth als Moderatorin, Erinnerungsgeschenke. mw
Michael Wolf dirigierte bei dem Auftritt des Heeresmusikkorps aus Tabor die musikalische Nordhalbener Geschichte. Foto: Michael Wunder
Ein Hochgenuss war es, den "Profimusikern" aus Tschechien zuzuhören. Foto: Michael Wunder