– von Michael Wunder –
Kronach: Die umtriebige Katze Isabella (Karin Dor) hat mit ihren 60 Jahren die "Pflichten des Lebens" erfüllt und widmet sich deshalb der Kür. Und da es sehr viel schwieriger ist, den richtigen Partner zu finden, als sechs Richtige im Lotto zu landen, unterhält die "Naschkatze" neben ihren Haushälter Boris (Stefan Behrens) mit Hagen (Günther Beth) und Magnus (Christian Claaszen) zwei weitere Männerbeziehungen. Während sich ihr Haushälter und Diätberater Boris um ihr traumhaftes Penthouse und ihre tolle Figur kümmert, bereist sie mit dem etwas älteren Musikkritiker Magnus die Welt und genießt mit dem etwas jüngeren Herzspezialisten Hagen ihre Wahlheimat. Obwohl die Herren voneinander wissen, gibt es erstaunlicherweise fast keine Probleme in der "Dreiherrenpartnerschaft". Boris, der mit schlanken Menüs und einer alternativen Ernährung die Schönheit der Sechzigerin erhalten will, stößt dabei immer an seine Grenzen, weil Isabella behauptet, "wer nicht genießt ist ungenießbar" und somit auch nicht auf ihr Haribo "Hüftgold" verzichtet. In einem Gespräch mit ihrer Freundin, dem zickigen Kätzchen Charlie (Kerstin Fernström), erklärt sie: "Man muss die Männer eben nehmen wie sie sind – aber man darf sie nicht so lassen". Sie, die alle Wochen einmal alle "Weiberzeitschriften" liest, ist auch der Meinung, dass es heutzutage leichter ist eine Ehe zu scheiden, als ein Mietverhältnis aufzulösen. Nur vorübergehend kommt Isabella in Verlegenheit, als der verheiratete Geliebte Magnus, der älter und weniger potent geworden ist und sich von seiner "Alten" schnell Scheiden lassen will, sowie Hagen mit ihr nach Amerika auswandern möchte. Die beiden unterschiedlichen Typen, auf der einen Seite Magnus, der die Musik als Lebenselixier und nicht als Sterbehilfe sieht und auf der Gegenseite der erfolgreiche Herzspezialist Hagen, dessen Wunsch es ist im Kreuzworträtsel unter 17 waagrecht oder 13 senkrecht aufzutauchen. Während viele Männer in dieser Lebensphase unflexibel werden und am Erreichten krampfhaft festhalten, lässt Isabella einfach los. Statt Torschusspanik erlebt sie Aufbruchstimmung. Sie wirft alle Zwänge ab, pfeift auf alte Gewohnheiten und bricht mit den so genannten Tabus. Als es soweit kommt, dass sich die exzellente Schauspielerin wegen der beiden Herren lieber einen "Logenplatz in der Hölle" wünscht, tritt ihr "Liebling" Boris wieder auf dem Plan. Dazu gesellt sich noch der Maler Fritz (Claudius Zimmermann), der erste Liebhaber von Isabella und der Vater ihrer Tochter, wie sich herausstellte. Am Ende der zweistündigen Komödie im Kreiskulturraum kam die lange Zeit umschnurrte Katze mit einem Bild von der verpassten Hochzeit der Jugendliebe Fritz, der die Katze vor vielen Jahren sitzen lies, doch noch unter die Decke. Die Komödie von Gunther Beth und Barbara Capell, unter der Regie von Michael Wedekind und der Ausstattung von Thomas Pekny war am Sonntag die letzte Vorstellung und somit gleichzeitig der Saisonabschluss. Kreiskulturreferentin Gisela Lang zeigte sich mit der Jubiläumssaison mehr als zufrieden, zumal auch ein Jubiläumskonzert mit den Hofer Symphoniker und einer Jubiläums- Sonderveranstaltung die Saison bereicherten. Sie verwies noch auf die Festschrift 50 Jahre Kulturring, welche im Kreiskulturreferat am Landratsamt erhältlich ist. mw

Dass man im Paradies gelebt hat, merkt man erst wenn man vertrieben wurde. Die Katze Isabella (Karin Dor) mit den beiden Liebhabern Hagen (links) und Magnus. Foto: Michael Wunder