Altbürgermeister Karl Sieghartsleitner referierte zum Projekt Lebensqualität

Steinwiesen: "Wenn es euch gelingt, erfahrene pensionierte Manager als ehrenamtliche Kräfte für die Regionalentwicklung zu gewinnen, könnt ihr zur Musterregion werden". Dieser Satz stammt von Altbürgermeister Karl Sieghartsleitner aus Steinbach an der Steyr, der als Referent zum Thema "Der Steinbacher Weg – gelungenes Beispiel einer zukunftsfähigen Landesentwicklung" im vollbesetzten Aparthotel in Steinwiesen referierte.
– von Michael Wunder –
Die Aufgaben des Regionalmanagements sind im hiesigen Raum mit der vorhandenen Personalstärke in keinster Weise zu erreichen. Man müsse deshalb versuchen für die Regionalentwicklung erfahrene Personen zu gewinnen und durch eine Vernetzung das "Know how" der Paarung in die Regionalentwicklung hinein zu tragen. Wenn es gelingt diesen Engpass zu überwinden steht die Tür für den Weltmeister der Regionalenwicklung weit offen. Der pensionierte Bürgermeister bereist heute als "Motivationsmanager" die ganze Welt. Wie er sagte, gebe es überall Schwierigkeiten mit der Regionalentwicklung, wobei diese bei uns im Vergleich zu anderen Ländern als lächerlich anzusehen sind. Wir haben bis jetzt (fast) keine wirklichen Probleme, denn mit der Stadt- und Dorferneuerung ist schon einiges passiert. In Japan hingegen läuft derzeit das erste Landesentwicklungsprojekt, die sind noch weit hinter uns, so Sieghartsleitner. Entscheidend wird für uns sein, dass man den hohen Standart hält, wofür sich aber vieles ändern muss. Die Menschen haben es sich angewöhnt auf hohem Niveau zu jammern. Man darf deshalb nicht in die große Falle geraden und dahin schauen, wo alles noch viel besser ist und gleichzeitig die Vorzüge der eigenen Region vergessen. Das Denken von Förderregionen und der ständige Verlass auf Fördermittel muss hinten angestellt werden. Auf die Dauer kann keine Region auf die Hilfe von außen vertrauen, prophezeite der Redner. Für alle Verantwortlichen und Bürger muss es eine Herausforderung sein, das Schicksal der Region selbst in die Hand zu nehmen. Der Altbürgermeister sagte Eingangs seiner fast zweistündigen Rede: Ich habe kein Rezept für diese Region, ich will aber Mut machen Dinge zu entdecken, welche für den Start einer neuen Entwicklungsphase dienlich sein können". Den Grund des Vorsprungs seiner Heimatgemeinde Steinbach sah er in der frühzeitigen Bemerkung der Globalisierung. "Wir waren zu meinem Amtsantritt als Bürgermeister im Jahre 1987 offiziell anerkannte Kriesenregion, selbst in Gemeinden mit ortsnahem Autobahnanschluss haben etliche Betriebe geschlossen. Für uns war von allem Anfang an klar, dass ohne die Schaffung von Arbeitsplätzen alles "Leichenschminke" sei. Allein mit der Gestaltung von Ortskernen könne man nichts erreichen". Als Grundsätze der Herausforderung nannte Sieghartsleitner die gegenseitige Stärkung des Selbstbewußtseins, die Bereitschaft selbst Geld und Geist einzubringen, eine totale Kooperation und die Nutzung und Verbindung aller Sektoren, sowohl regional als auch überregional. Wir haben in erster Linie versucht die Konsumenten, Schulen und den Nachwuchs mit ins Projekt einzubinden. Wichtig dabei ist ein Ziel – der feste Wille in den Gemeinden und die Fähigkeit der Kooperation. Jeder Einzelne müsse sein Bestes für die Zielerreichung geben. Ein rücksichtsvoller Umgang müsse gepflegt und die Erfolge geteilt werden. Zwischen der Ist- Situation und dem Ziel ist ein langer Weg, der aber auch spannend sein kann. In Steinbach an der Steyr war der Weg das Entscheidende. Es ist gelungen, dass alle Leute an einem Strick ziehen und dabei noch in die gleiche Richtung, so der Referent. Bewußtseinsbildung beim Bürger wecken heißt: Eigeninitiative, Eigenverantwortung, Selbstorganisation. Für ihn standen während seiner gesamten Amtszeit als Bürgermeister die drei goldenen K`s im Mittelpunkt, was heißt, Konflikte lösen, Kreativität fördern und Kooperationen beginnen. Wir müssen Aufhören mit dem Suchen nach einem Schuldigen für eine mißlungene Aktion, damit werden wir keinen Weg der Lösung finden, appellierte er an das vorwiegend mit Kommunalpolitikern des gesamten Kreisgebietes besetzten Publikums. Die kommunalpolitischen Theater in manchen Rathäusern werden von schlechten Laienschauspielern dargestellt, welche in der heutigen Zeit bei den vorhandenen Medien nur die zweite Rolle spielen, sagte Sieghartsleitner. Anhand vieler praktischer Beispiele zeigte der Vortragende wie man in Österreich Geld mit Ideen und Geist verbunden und neben den Kommunen auch das Gewerbe und die Landwirtschaft ins Projekt einbezogen hat. Schnell musste man feststellen, dass gute Facharbeiter leichter Arbeitsplätze schaffen als große Konzerne. Auch die Landwirtschaft habe durch den Ideenreichtum einen Aufschwung genommen. Dort war das Hauptproblem nicht die Geldschöpfung, sondern die geringe Wertschätzung. Die Bauern haben sich durch weitere Standbeine ein neues Bild ihrer Tätigkeit geschaffen, so der Altbürgermeister. Besonders Stolz sei man auf die regionalen Heizanlagen. 56 Prozent der Energie wird aus nachwachsenden Rohstoffen gewonnen, so dass man die Gewinne vor Ort behält und nicht den Ölscheichs in Saudi Arabien zugute kommen lässt. Zum Schluss seiner mit viel Beifall bedachten Rede ging er noch auf das eigene Kaufverhalten ein. Die Wirtschaft brauche einen Kurswechsel. Der Spruch "Geiz ist geil" müsse durch Leben und Leben lassen ersetzt werden und anstelle noch billiger müsse mehr Qualität und Regionalität stehen. Eine klare Absage erteilte er den Discountern, welche als Raubritter auftreten und die Preise der Zulieferer drücken. Die Aufbruchstimmung könne nur erzeugt werden, wenn Kommunen und Vereine die Vorbildfunktion einnehmen. Steinwiesens Bürgermeister Gerhard Wunder, der die Gäste begrüßte, sagte man wolle mit dieser Veranstaltung im Oberen Rodachtal Signale nach außen setzten. Landrat Oswald Marr sprach von einer Vorbildfunktion des Rodachtals, dem andere Regionen im Kreis folgen. Nur so könne die auseinander klaffende Entwicklung zwischen Ballungsräumen und dem ländlichen Raum entgegengewirkt werden. miw

Gesagt- Gehört:
Österreich ist ein kleines Land, deshalb gibt es auch kleine Bürgermeister.
(Der Altbürgermeister, als er anfangs seiner Ausführungen Probleme mit der Höhe des Mikrofons hatte).
Mit der Übertreibung des Guten beginnt das Böse.
Die Zukunft ist weiblich, oder sie findet nicht statt.
(Auf die Frage, ob denn auch eine Bürgermeisterin unter den Zuhörern ist).

Altbürgermeister Karl Sieghartsleitner aus Steinbach an der Steyr in Oberösterreich zeigte durch seinen Vortrag im Aparthotel, dass eine Trendumkehr im ländlichen Bereich selbst aus schwierigsten Ausgangsbedingungen heraus möglich ist. Foto: Michael Wunder

Die beiden "Macher" des Abends Kernteamsprecher Wieland Beierkuhnlein (links) und Organisator Joachim Doppel freuten sich über die vielen Besucher und dem guten Referenten. Foto: Michael Wunder

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