Nordhalben: Mit einem beeindruckenden Konzert auf der neuen Rieger- Orgel wartete der Basilikaorganist aus Vierzehnheiligen Georg Hagel nach der Orgelweihe auf. Er zog dabei alle "Register" seines Könnens und erntete am Ende des Konzerts, welches über eine Großleinwand in den Altarraum übertragen wurde, viel Beifall.
– von Michael Wunder –
"Wenn heute eine Gemeinde Mühe und Kosten nicht scheut, um eine zeitgemäße, wertvolle Orgel errichten zu lassen, dann erfüllt sie einen bedeutenden Kulturauftrag. Sie tut dies im Rahmen ihrer Aufgaben, die Frohbotschaft Christi zu verkündigen. Die Orgel als Werk der tönenden Verkündigung will und kann die Tiefe des Herzens und der Seele erreichen. Sie vermag Freude zu schenken, Trost zu spenden und die Gläubigen ein Stück weit in das Geheimnis Gottes hineinführen." Pfarrer Hans Martin zitierte eingangs des Konzerts mit diesen Worten Alt- Erzbischof Dr. Karl Braun.
Georg Hagel stellte sich zunächst vor und gab einige Erläuterungen zu Materialien, Klangfarben und weiteren Besonderheiten von Kirchenorgeln allgemein, aber auch zu speziellen Eigenschaften der neuen Rieger- Orgel in Nordhalben. Durch einen eingebauten Setzer können verschiedene Kombinationen zusammengestellt und gespeichert werden. Eine elektronische Speicherkarte ermöglicht jedem Organisten seine individuellen Einstellungen zu programmieren und diese nach Bedarf wieder abzurufen. Nach der kleinen Einweisung in die "Kunst" des Orgelspielens, eröffnete der Regionalkantor das Konzert mit "Praeambulum in e-moll" von Nicolaus Bruhns. Der "Allroundkünstler", Bruhns bewies damit bereits im 17 Jahrhundert, dass er seiner Zeit weit voraus war. Natürlich durften bei diesem Orgelkonzert auch Werke vom wohl bedeutendsten Orgelkomponisten Johann Sebastian Bach (1685 – 1750) nicht fehlen. Der Basilikaorganist hatte dafür "Fantasie in G-Dur, BWV 572" mit ihren drei unterschiedlichen Sätzen ausgewählt. Während der erste (Tres vitement) mit einem Echoeffekt beginnt, strömt der Mittelteil (Gravement) dahin, bevor am Schluss (Lentement) nochmals ein "Aufhorcher" zu hören ist. Als zweites Stück des Großmeisters brachte Hagel "Nun danket alle Gott", BWV 657, eine Choralbearbeitung aus den 18 Leipziger Chorälen. Weiter ging es im Programm mit einer etwas anderen Musik von Pater Valentin Rathgeber. Die Werke des fränkischen Franziskaners seien "nicht unglaublich schwer", so Hagel, ließen jedoch die "Liebe und Freude" besonders erkennen. Von Franken nach Frankreich ging es mit "Variationen über ein französisches Volkslied" von Louis Claude Daquin. Während bei uns helle Mixturen bevorzugt würden, seien die Zungenregister typisch für das französische. Auch das letzte Stück stammte aus Frankreich, "Adagio und Toccata" von Charles Marie Widor aus dessen V. Orgelsymphonie bildete den fulminanten Abschluss des Orgelkonzerts. Georg Hagel dankte am Schluss allen Besuchern für den großen Applaus, sowie den Orgelbauern mit dem aus Frankreich stammenden Intonateur Michel Garnier, welcher den französischen Registern auch den besonderen Klang gab. Hagel sehe es als großes Geschenk auf der herrlichen Rieger- Orgel das Einweihungskonzert gespielt haben zu dürfen. mw
Die Kosten für den Orgelneubau betragen 391.000 Euro. Der Pfarrgemeinde ist dazu nur ein kleiner Zuschuss der Erzdiözese mit 8.000,00 Euro in Aussicht gestellt. Ferner steht aus Kulturmitteln ein Zuschuss mit ebenfalls 8.000,00 € in Aussicht. Für die Emporenrenovieren, die Beseitigung von Bauschäden und die statische Verstärkung der Empore mussten noch weitere 45.000 Euro aufgebracht werden. Die Erzdiözese beteiligte sich daran mit 22.000 Euro aus Kirchensteuermitteln. In den Gesamtkosten von 436.000 Euro sind über 60.000 Euro Mehrwertsteuer enthalten. Diese werden, obwohl die Orgel aus Österreich stammt, an den deutschen Staat abgeführt. Der Kath. Kirchenstiftung verbleibt derzeit eine Restschuld von ca. 72.000 Euro, welche über Bankdarlehen und eine Anleihe finanziert wurden. Deshalb bittet die Kirchenverwaltung weiterhin um Spenden zur Unterstützung der Restfinanzierung für die neue Orgel.
Der Regionalkantor und Basilikaorganist an der Wallfahrtskirche in Vierzehnheiligen Georg Hagel spielte beim Konzert zur Orgelweihe in der Nordhalbener Pfarrkirche St. Bartolomäus. Foto: Michael Wunder