FWO künftig Dienstleister in der Wasserversorgung
Nordhalben: Die Fernwasserversorgung Oberfranken (FWO) ist künftig Kooperationspartner des Marktes Nordhalben im Bereich der Wasserversorgung. Bürgermeister Josef Daum und Vorsitzender Dr. Heinz Köhler (FWO) vereinbarten die enge Zusammenarbeit im Rathaus von Nordhalben.
Auf Basis eines entsprechenden Beschlusses des Marktgemeinderates Nordhalben wird die Fernwasserversorgung Oberfranken in diesem Jahr verschiedene Dienstleistungen im Bereich der Wasserversorgung für den Markt Nordhalben erbringen. Bürgermeister Daum freute sich, dass der Marktgemeinderat einstimmig dem Vorschlag gefolgt ist. Die Wasserversorgung werde damit noch ein Stück sicherer und besser, so der Bürgermeister. "Nordhalben muss einerseits den Bürgerinnen und Bürgern zuverlässig und in guter Qualität Trinkwasser liefern, andererseits aber auch die wirtschaftliche Lage in Zeiten einer schwierigen Haushaltslage berücksichtigen", so der Bürgermeister zur Ausgangssituation für den Markt weiter.
Nachdem Einigkeit darüber herrschte, die Standards nicht zu reduzieren, hat der Markt Nordhalben die Kooperation mit der FWO gesucht. Die Gemeinde wird weiterhin die Wasserversorgung überwiegend selbst führen, da wo zusätzliches Know-how benötigt wird, kommen die Dienstleistungen der FWO zum Tragen. "Die FWO ist leistungsstark im Bereich der Wasserversorgung, hat einen guten Ruf und ist in der Nähe, wenn wir sie brauchen. Durch die Zusammenarbeit auf Probe im letzten Quartal wissen wir, woran wir mit der FWO sind", sagte der Bürgermeister. Als Vorteil erachtete man es, dass bereits eine Zone in Nordhalben mit Wasser der FWO versorgt wird. Bei Qualitätsproblemen mit dem Quellwasser in der Tiefzone, welche gerade nach längeren Regenperioden nicht auszuschließen sind, könne man ohne weiteres auf das Wasser der FWO zurückgreifen.
"Die anhaltend schwierige Haushaltssituation und die steigenden Anforderungen in technischer und rechtlicher Hinsicht an die Versorgungsunternehmen – um nur zwei Beispiele zu nennen – zwingen die Kommunen, sich mit Themen wie Vergaberecht, Privatisierung und Kooperationen zu beschäftigen. Die Kommunen haben zunehmend Schwierigkeiten die kommunalen Pflichtaufgaben, zu denen auch die Wasserversorgung gehört, umfassend zu schultern. Hier setzt das Angebot der FWO für die Kommunen in der Region an", stellte Vorsitzender Dr. Köhler die Sicht der FWO dar.
Wasserversorgung ist ein Teil der Infrastruktur der Gemeinden und kein beliebiges Produkt. Diese Infrastruktur, die mit den Beiträgen und Gebühren der Bürger entstanden ist, bedarf einer besonderen Vorgehensweise. "Bestandserhalt und Gemeinwohl geht vor Gewinnorientierung, deshalb gehört die öffentliche Versorgung in kommunale Hände", sagte Dr. Köhler auch mit Blick auf private Unternehmen, die verstärkt in dieses Segment drängen. "Hohe Transparenz und der unmittelbare Bezug zu den Bürgern, dies zeichne eine kommunale Lösung aus", so Köhler, der weiterhin darauf verwies, dass kürzlich auch die Vorsitzende des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen, Prof. Edda Müller dafür plädiert hat, die Wasserversorgung in kommunalen Händen zu belassen. Ansonsten würde ein privates Monopol entstehen, das nicht effektiv kontrolliert werden könne.
Die FWO möchte mit den Kommunen zeigen, dass kommunale Kooperation ein guter Weg ist, um die Wasserversorgung wie auch die Abwasserentsorgung in Zukunft sicher und die Qualität auf hohem Niveau zu führen. Dr. Köhler: "Die Bürger wollen das auch so haben". In Österreich ergaben vor kurzem Umfragen, dass über 90 Prozent der Bürger eine Privatisierung schlichtweg ablehnen. Ähnliches gelte mit Sicherheit auch für Bayern, da die Verhältnisse vergleichbar seien. "Die Wasserversorgung ist die kommunalste Aufgabe schlechthin", deshalb rät Dr. Köhler auch im Sinne des regionalen Zusammenhalts zu kommunalen Lösungen.
Werkleiter Markus Rauh erläuterte die künftigen Aufgaben der FWO im Rahmen der Zusammenarbeit. Demnach wird die FWO die Aufgaben eines Wassermeisters, der sogenannten technischen Führungskraft des Marktes, wahrnehmen. Wichtig sei dabei, dass die Partner selbständig bleiben, sagte Rauh. Dort wo spezielle Fachkenntnisse eines Meisters notwendig sind, wird die FWO ihr eigenes Personal einsetzen. Gerade kleine Werke hätten mit der schwierigen Situation zu kämpfen, die gestiegenen technischen und rechtlichen Anforderungen zu erfüllen und gleichzeitig möglichst effektiv die Ressourcen, wie Personal und Material einzusetzen.
Weiterhin fungiert die FWO als Leitstelle indem außerhalb der Geschäftszeiten die Störmeldungen in der zentralen Leitwarte der FWO auflaufen. Von dort werden dann die entsprechenden Maßnahmen eingeleitet. Die FWO unterzieht sich seit Jahren einem intensiven Benchmarking, wo sie besonders im Bereich Netzbetreuung sehr gut abschneidet. "Gerade dort ist die Schnittstelle zu unseren Kunden", meinte Rauh, und damit ist auch Gewähr gegeben für eine gute Leistungserfüllung für Nordhalben. Darüber hinaus ist die FWO nach den Worten des Werkleiters im Bereich Umweltmanagementsystem nach DIN ISO 140001 zertifiziert und unterhalte ein akkreditiertes Labor für die Qualitätssicherung.
Die FWO ist nach Aussage von Rauh bereits in einigen Kooperationsprojekten aktiv: Neben zahlreichen Kommunen, für denen die FWO die Trinkwasseranalysen durchführt, ist die FWO Dienstleister in Stockheim, Weißenbrunn, Ludwigstadt, für die Frankenwald- Gruppe, die Stadt Selbitz und die Auracher Gruppe. Mit weiteren Kommunen laufen derzeit Gespräche, welche durchaus Erfolg versprechend seien. "Gerade auch in kommunaler Zusammenarbeit können die Kosten gesenkt und die Wirtschaftlichkeit gesteigert werden und dies bei gleichzeitiger Wahrung der Selbständigkeit", so Rauh zu den Vorteilen einer Kooperation auf kommunaler Ebene. mw
Im Namen der Fernwasserversorgung Oberfranken unterzeichnete Verbandsvorsitzender Dr. Heinz Köhler den Kooperationsvertrag mit dem Markt Nordhalben. Bürgermeister Josef Daum wie auch Werkleiter Markus Rauh zeigten sich über die getroffene Entscheidung erfreut. Foto: Michael Wunder