Tschirn: "Was macht der Holzmarkt?" – dies war die wichtigste Frage bei der Jahreshauptversammlung der Waldbesitzervereinigung Frankenwald in Tschirn, die Gasthaus "Zum Büttner" stattfand. Wie ein roter Faden zog sich die Vermarktung des Rohholzes durch alle Reden.
Vorsitzender Heinrich Bätz konnte was den Fichtenstammholzmarkt betrifft leider nichts Positives berichten. Als Gründe nannte er die weiter abgeschwächte Baukonjunktur, welche die überwiegend auf Bauholz ausgerichteten Sägewerke der Region am härtesten trifft. Weiterhin wird nach wie vor Stammholz aus den Schadensgebieten des Schwarzwaldes zum Teil aus Nassholzlagern und Käferholz zu Billigpreisen in den Frankenwald transportiert. Auch der Fönsturm vom vergangenen November in der oberbayerischen Alpenregion bescherte über Nacht einen Holzanfall von über 300 000 Festmetern, so der Vorsitzende. Besser sei die Entwicklung bei den Fixlängen. Hier habe die forstwirtschaftliche Vereinigung Oberfranken rechtzeitig reagiert und Verträge mit den "Mamutsägern" in Thüringen abgeschlossen. Der erzielte Preis sei nicht schlecht, so Bätz, dafür müsse aber eine bestimmte Masse an Holz abgegeben werden. Er schlug vor, dass sich mehrere Waldbesitzer zusammenschließen und gemeinsam eine größere Menge an einen Platz zur Abfuhr bereit stellen. Nicht die gewünschte Resonanz brachte die durchgeführte Werbung für den wunderbaren Rohstoff Holz. Ein Schreiben an die Bürgermeister, Stadt- und Gemeinderäte wegen der Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes für Schwimmbäder, Schulen, Feuerwehrhäuser, Turnhallen oder Rathäuser sei bis auf zwei Ausnahmen nicht beantwortet worden. Der Vorsitzende appellierte erneut an die Verantwortlichen bei derartigen Projekten an Hackschnitzelheizungen zu denken. Als weiteren Vorteil sah er bei der thermischen Verwertung des Holzes, dass keine zusätzliche CO2 Belastung entsteht. Durch den Neubau einer Waldbauernschule in Goldberg bei Kehlheim sei die Aus- und Weiterbildung von jungen Waldbauern wesentlich verbessert worden, sagte der Vorsitzende in seinem Tätigkeitsbericht. Dieses Angebot, welches von der Durchforstung, über die verschiedenen Waldformen bis hin zu den entsprechenden Sortimenten, den richtigen Arbeitsgeräten, aber auch zu den rechtlichen Vorschriften Auskunft gibt, sollte rege in Anspruch genommen werden um den heimischen Wald noch besser zu betreuen. Der Bürgermeister der gastgebenden Gemeinde Tschirn Peter Klinger sagte in seinem Grußwort, dass die kleinste Gemeinde des Landkreises mit großen Problemen zu kämpfen habe. Derzeit sei die Dorferneuerung im vollen Gang. Auch beim Forstwirtschaftswegebau stehe mit dem Bau des Doberweges ein großes Projekt bevor. Tschirn sei mit Waldwegen nicht gerade reich gesegnet, sagte der Bürgermeister. Es wäre gut, wenn alle 14 Eigentümer zustimmen würden um die noch vorhandenen Zuschüsse für die 2,5 Kilometer lange Strecke mitzunehmen. "Mit dem Einkommen ist kein Auskommen möglich" – mit diesem prägnanten Satz wies leitender Forstdirektor Karlheinz Stefan von der Forstdirektion Ober- und Mittelfranken auf die schwierige Lage auf dem Holzmarktsektor hin. Man wisse nicht was die Zukunft bringt und an Holz gebraucht werde, deshalb setze man auch künftig auf einen naturnahem, stabilen Wald, der die beste "Risikoversicherung der Zukunft" sei, sagte Stefan. Die weitere Verschlankung, den Wald mit immer weniger Personal zu niedrigeren Kosten zu bewirtschaften, sei allmählich an ein Ende angelangt. Nach der Auflösung des Forstamtes in Rehau habe man auch hier ein vorläufiges Ziel erreicht und weitere Forstämter könnten derzeit nicht zur Disposition gestellt werden. Der beste Garant für die Privatwaldbesitzer sei die Waldbesitzervereinigung, gerade Waldbesitzer mit kleinen Einheiten sollten sich dieser anschließen, sagte der leitende Forstdirektor. Kassier Ludwig Wunder legte, wie immer, einen detaillierten Kassenbericht der Versammlung vor. Er bezeichnete die Kassenlage als gut. Die Kassenprüfer Siegmund Kolb und Markus Schnabrich bescheinigten eine exakte Kassenführung, woraufhin der Kassier, wie die gesamte Vorstandschaft einstimmig entlastet wurde. Geschäftsführer Michael Pöhnlein sprach von 450 Raummetern Schleifholz, das durch die WBV verkauft wurde. Hatte man im vergangenen Jahr noch mehr Holz zur Verfügung als vom Partner abgenommen wurde, so sehe es heuer anders aus. Man hat Probleme die vertraglich festgelegten Mengen zu erreichen, wies er auf die bevorstehenden Monatsabgaben hin. An Fixlängen wurden 550 Festmeter durch die WBV vermarktet. Das Markenzeichen der WBV sei nach wie vor die Beratung der privaten Waldbesitzer, hier habe man mit Privatwaldbetreuer einen engagierten Mann an der Seite, der immer bemüht ist allen zu helfen, so der Geschäftsführer lobend. In naher Zukunft müssen auch die Räume der Geschäftsstelle in Steinwiesen saniert werden, sagte Pöhnlein. Über die Vermarktungssysteme im Bayerischen Staatswald referierte der Leiter des Forstamtes Nordhalben, Forstdirektor Werner Hannig. Die Zahl der Abnehmer sei rückläufig aber gleichzeitig würde die Produktionskapaziät in der Sägeindustrie steigen, sagte Hannig. Entscheidend für die Vermarktung sei die Qualität, die Zuverlässigkeit der Lieferung und die Professionalität der Anlieferung. Beim neuen Vertriebssystem der Staatsforstverwaltung sei die Eigenverantwortung der Forstämter gestärkt worden. Hannig berichtete weiter von drei "Vertriebskanälen", dieses sind die reine Eigenvermarktung, der Vermarktung über den Großkundenbetreuer und den Spezialkundenbetreuer (für Werthölzer, besonders starkes Holz etc.). Der Trend gehe hier immer mehr zur Vermarktung über den Großkundenbetreuer, sagte der Forstamtsleiter. In der Zukunft müsse "frische Ware" während des ganzen Jahres möglichst frei Werk geliefert werden, ging Hannig auf die Wünsche der Abnehmer ein. Für die Privatwaldbesitzer sah er den einzig machbaren Weg der Zusammenschlüsse. Von den mehr als 2600 privaten Waldbesitzern gehören "nur" etwa 420 der Waldbesitzervereinigung an, dies sei entscheidend zu wenig, er appellierte deshalb an die Leute der Vereinigung beizutreten.
Privatwaldberater Peter Schmittnägel umschrieb seinen Bericht mit "Wandel von Förderung zur Beratung und Öffentlichkeitsarbeit". Die Anträge zur Förderung für Erstaufforstung und Verjüngung gingen immer mehr zurück, vermehrt sei hingegen die Einzelberatung gefragt, sagte Schmittnägel. Auffallend dabei ist, dass immer mehr kleine Waldbesitzer resignieren und ihren Wald zum Verkauf anbieten, dies habe die verschiedensten Gründe, so der Forstamtmann. Hoch im Kurs stand im vergangenen Jahr wieder die forstliche Bildungsarbeit. Die 57 Veranstaltungen brachten einen Teilnehmerkreis von stolzen 2369 Besuchern. Der "Kundenkreis" reicht dabei vom Kindergarten über Schulen bis hin zum Seniorenclub, so Schmittnägel. An Wegebauten stünden laut Schmittnägel der Doberweg in Tschirn und nach wie vor der Ochsengrundweg in Nordhalben an. Beim Ochsengrundweg sind Besitzveränderungen eingetreten, man hofft deshalb, dass es demnächst weiter gehen kann. Lobend erwähnte der Forstamtmann die Gemeinde Steinwiesen, welche ein Modell zum Wegeunterhalt erstellt hat und sich auch an den Kosten beteiligt. Ausführlich ging Schmittnägel auch auf das mittlerweile abgeschlossene Forschungsprojekt "Kommunikationsstrategien in der forstlichen Beratung der Technischen Universität München" (wir berichteten) ein. Einen weiteren Schwerpunkt seiner Ausführungen legte Peter Schmittnägel auf die mechanische Holzernte im Privatwald durch den Einsatz von Harvester und Forwader. Er brachte Argumente für den Einsatz mechanisierter Holzerntesysteme, deren Einsatzbereiche, die angewandte Technik und einen Kostenvergleich. Die "Waldverwüstungsmaschinen" von einst sind zu einer echten Alternative zur herkömmlichen Aufarbeitung des Holzes geworden, sagte Schmittnägel. Viele Kritiker (auch er) wurden durch die Vorführungen und die bisherigen Erkenntnisse vom "Saulus zum Paulus". Diese Aussage stammt nach den Worten von Schmittnägel vom Forstdirektor Werner Hannig, der auch die Vorteile der Harvester erkannt hat. (mw)
Man setzt auch künftig auf einen naturnahen, stabilen Wald, sagte Karlheinz Stefan von der Forstdirektion Ober- und Mittelfranken bei der Jahreshauptversammlung der Waldbesitzervereinigung Frankenwald in Tschirn. Mit im Bild v.l. Bürgermeister Peter Klinger, Vorsitzender Heinrich Bätz und Geschäftsfüher Michael Pöhnlein. Foto: Michael Wunder