Tschirn begeht als eine ganz besondere Perle ein Jubiläum, das in die Vergangenheit eintaucht. Von historischen Geheimnissen bis hin zu gesellschaftlichem Zusammenhalt.  

Tschirn: Die Pfarrgemeinde St. Jakobus und die Gemeinde Tschirn feierten in einem ersten Festakt ihr „Doppeljubiläum“ im Gotteshaus. Im Juli schließt sich ein geselliges Wochenende mit Erzbischof Herwig Gössl als Festprediger im Park an.

Kinder wollen es meist ganz genau wissen, so auch beim Laienspiel „Gründung von Schirn“ mit der Kinder- und Jugendgruppe. Die Fragen an den „Ortschronisten“ Günter Böhnlein bezogen sich vorwiegend auf die Gründungszeit, als es weder Internet noch KI gab. Es sei deshalb Vieles nicht festgehalten, doch Anzeichen deuteten darauf hin, dass der Ort älter als seine erste Erwähnung im Jahr 1276 sein könnte.

Tschirn ist eine ganz „besondere Perle“

Es dürfte schon um 1100 gewesen sein, als Teuschnitz im Nortwald des Bistums Bamberg genannt und auch in der Gegend von Tschirn von einer größeren Siedlung und Kirche die Rede war, vermutet Günter Böhnlein. Er verstand es, den Kindern und Gästen die in den umliegenden Archiven gemachten Erfahrungen näher zu bringen. Dabei habe er festgestellt, dass Tschirn eine ganz besondere Perle sei.

Der ehemalige Kreisarchivar und gebürtige Tschirner Rudolf Pfadenhauer, beleuchtete die historische Geschichte von Tschirn. Auch er lies nicht den geringsten Zweifel daran, dass Tschirn älter ist, als in der ersten Erwähnung eines Bischofs. Dafür spreche Vieles bei dem am Rand der Höhenlage gelegenen Ortschaft, so Pfadenhauer. Erst 500 Jahre später habe ein Hilfsgeistlicher, der für drei Jahre in Tschirn eingesetzt worden war, sich den weltlichen Dingen zugewandt und wie Lorenz Burger später geschichtliche Details festgehalten. Bei der heutigen Wacht oberhalb des Dorfes habe man in Kriegszeiten Wache gehalten.

Von einsamen Wallfahrten und Alkoholexzessen

Die wichtigsten Gebäude in Tschirn wurden im 14 Jahrhundert errichtet. Eine gute Tugend der Bürger sei es gewesen, Wallfahrten, teilweise alleine, in verschiedene Orte durchzuführen. Ein Teil der Bürger sei schon damals dem Alkohol verfallen und habe Tag und Nacht gesoffen, verriet der Archivar. Vermutet werde, dass auch die Weiber, die damals durchgehende die „Herrschaft“ gehabt hatten, dem Alkohol nahe gestanden hätten. „Noch vor Jahrzehnten gab es in Tschirn eine Zoll- und Polizeistation“. Als größte Arbeitgeber nannte Rudolf Pfadenhauer in der Kriegszeit eine Zigarrenfabrik, später einen Zweigbetrieb der Loewe Opta und noch später die Firma Dr. Schneider. Die Gemeinde habe auch große Katastrophen wie Brände und Organe mit großen Schäden zu beklagen gehabt. Von den einst 800 Einwohnern seien rund 500 geblieben, welche jedoch mit Zuversicht in die Zukunft blicken würden. Schirmherr Landrat Klaus Löffler sprach in der Festrede von einem geschichtsträchtigen Ort mit großem ehrenamtlichem Engagement. Dabei seien die politische Gemeinde und die Pfarrgemeinde untrennbar miteinander verbunden. Von Mut und Optimismus seien die Menschen geprägt und sie übernähmen Verantwortung füreinander. Mit dem festen Willen der Bürger werde man die Herausforderungen der Zukunft gut meistern. Im Namen der Sparkasse überreichte er für das Jubiläumsgeschenk eine Spende in Höhe von 7.500 Euro. Anlässlich des Jubiläums wollen die Tschirner eine kunstvolle Sandsteinskulptur mit der Jabobusdarstellung am Ehrenmal auf dem Kirchvorplatz errichten.

Regierungspräsident Florian Luderschmid bestätigte Tschirn „Gelebte Tradition“

Von einer gelebten Tradition sprach Regierungspräsident Florian Luderschmid. Als starkes Zeichen bezeichnete er die Zusammenarbeit von weltlicher und kirchlicher Geschichte. Nachdem er einen weiten Bogen durch die Zeit geschlagen hatte, überreichte er zur Freude der Anwesenden eine Spende in Höhe von 5.000 Euro von der Oberfrankenstiftung. Weitere Glückwünsche überbrachten das Mitglied des Bundestags Jonas Geisler und der Vorsitzende der Verwaltungsgemeinschaft Frank Jakob.

Apostel Jakobus als „Donnersohn“

Dekan Detlef Pötzl ging auf die Bedeutung des Heiligen Apostel Jakobus den Älteren, den Jesus wie seinen Bruder als „Donnersöhne“ bezeichnete, ein. Beide sind in der Kategorie „die etwas bewegen wollen“ einzuordnen. Wie Jakobus zum Patron der Pfarrgemeinde Tschirn geworden ist, sei nicht nachgewiesen, zumal es im ganzen Landkreis keine weiter Jakobus Kirche gibt. Der Jakobusweg sei der bekannteste Pilgerweg und endet in Santiago de Compostela, wohin gerade der Nordhalbener Manfred Köstner unterwegs ist. Im Jubiläumsjahr will man auch einen Akzent setzten und dem Vorschlag der Bürgerschaft folgen. Mit der Schaffung einer menschengroßen Sandsteinstatue des Jakobus will man zum Jubiläumswochenende im Juli fertig sein. Die Gesamtkosten belaufen sich auf rund 35.000 Euro, wovon man schon einiges an Spenden erhalten habe. Der Dekan freute sich wie Bürgermeister Peter Klinger bei seiner letzten größeren Veranstaltung über die vielen Spenden. Klinger erinnerte an die seit 1978 bestehende und gut funktionierende Verwaltungsgemeinschaft. Zum Abschluss der gelungenen Veranstaltung in der Kirche gab es – wie zu Beginn – ein anspruchsvolles Orgelstück von Markus Blomenhofer.

Schirmherr Landrat Klaus Löffler überreichte eine Spende von der Sparkasse in Höhe von 7.500 Euro an Dekan Detlef Pötzl. Foto: Michael Wunder

Die Kinder und Jugendlichen hinterfragten beim Laienspiel viel Historisches, speziell zur Anfangsgeschichte von Tschirn. Foto: Michael Wunder

Die heimische Kapelle Edelweiß sorgte mit Einlagen zwischen den Redebeiträgen für eine kurzweilige Veranstaltung. Foto: Michael Wunder

Am Ehrenmal auf dem Kirchenvorplatz soll im Jubiläumsjahr eine kunstvolle Sandsteinskulptur mit der Jakobusdarstellung geschaffen werden. Foto: Michael Wunder